Feierabend: So nutzen Sie ihn optimal für Regeneration und Freizeit

Feierabend: So nutzen Sie ihn optimal für Regeneration und Freizeit

Feierabend klingt für viele wie ein Zauberwort. Nach einem langen stressigen Arbeitstag scheint es nichts Besseres zu geben. Oder doch nicht? Viele Arbeitnehmer scheinen gar nicht mehr zu wissen, wie Feierabend richtig geht, nehmen die Arbeit mit nach Hause und laufen damit Gefahr, nicht richtig abschalten zu können. Das kann sich nicht nur negativ auf das Privatleben auswirken, sondern auch auf die eigene Gesundheit.

Was ist der Feierabend und warum nennen wir ihn so?

Feierabend ist immer das, was nach der Arbeit kommt und markiert also das Arbeitsende. Wenn wir von einem normalen Arbeitstag sprechen, gibt es

  • die Vorbereitungsphase,
  • den Arbeitsbeginn,
  • eine erste Leistungsphase,
  • die Mittagspause,
  • eine zweite Leistungsphase,
  • eventuell noch kleinere Pausen zwischen den einzelnen Leistungsphasen und
  • den Feierabend.

Feierabend ist laut Wörterbuch „die Zeit zwischen Arbeitsende und Nachtruhe“. Diese Zeitspanne nutzen Arbeitnehmer in der Regel für familiäre Verpflichtungen, Freizeit, Hobbys, Sport, Entspannung, private Termine, Sozialleben und manchmal auch Nebenjobs oder ehrenamtliche Beschäftigungen.

Ursprung des Begriffs

Laut Wikipedia ist Feierabend als „Muße-, Freit- und Ruhezeit“ zu verstehen. Der Ursprung des Wortes liegt im spätmittelhochdeutschen Wort vīrabent, was mit „Vorabend eines Feiertages“ übersetzt wurde. Mit Beginn des 17. Jahrhunderts wurde es vor allem im Handwerkermilieu zum gebräuchlichen Wort. Hier wurde es verwendet, um den Beginn der Ruhezeit am Abend nach einem anstrengenden Arbeitstag einzuläuten.

Synonyme

In der Arbeitswelt der Deutschen ist der Begriff „Feierabend“ für das Arbeitsende am geläufigsten. Andere gängige Beschreibungen können sein:

  • Arbeitsschluss,
  • Zapfenstreich,
  • Dienstende,
  • Büroschluss, 
  • Schichtaus oder
  • Geschäftsschluss

Der Begriff wird auch als Synonym verwendet, wenn das Ende eines bestimmten Zustandes beschrieben wird. Wir sagen zum Beispiel:

  • „Jetzt ist aber Feierabend!“ (auch: Schluss damit)
  • „Er geht in seinen wohlverdienten Feierabend.“ (auch: sein Ruhestand beginnt)

Feierabend auf Englisch

Im Englischen wird der Begriff mit „end of work“ übersetzt. Wenn sich Kollegen einen schönen nach Dienstende verabschieden, sagen sie meistens „Have a nice evening“ oder auch ein simples „Good Night“.

Wann macht der durchschnittliche Arbeitnehmer nach seinem Feierabend?

Auch wenn sich die Arbeitszeitmodelle inzwischen geändert haben und viel flexibler geworden sind als früher, so beenden ein Großteil der Beschäftigten ihre Arbeit immer noch am späten Nachmittag oder frühen Abend. Gewöhnlich wird der Freitag genutzt, um noch früher das Arbeitsende einzuläuten und damit das Wochenende zu verlängern.

In Berufen, die Schichtdienst erfordern, ist der Dienstschluss selten an reguläre Arbeitszeiten gebunden. Auch Berufstätige, die in der Nachtschicht arbeiten, haben andere Feierabendzeiten. Selbstständige arbeiten meistens rund um die Uhr, weil eine Selbstständigkeit oftmals komplexer ist und nicht nur Dienst nach Vorschrift umfasst.

Selbst in Bürojobs fällt es Arbeitnehmern zunehmend schwerer, Büroschluss zu machen. Das liegt daran, dass sie Ihre Arbeit am Laptop problemlos daheim weiterführen und theoretisch auch remote arbeiten können. Während ein Handwerker seine Baustelle verlässt und heimfährt, kommt der Büroangestellte nach Hause und loggt sich dort nicht selten nochmal in seinen Dienstaccount ein. Die permanente Erreichbarkeit, auch in den späten Abendstunden und am Wochenende oder selbst an Urlaubstagen, führt den Feierabend dann ad absurdum. Dabei ist konsequentes Abschalten von der Arbeit immens wichtig für die Regenerationsphase.

Die letzten Schritte vor Dienstende

Das tägliche Arbeitsende sollte zelebriert werden. Um die Feierabendstunden richtig einzuläuten und vollends genießen zu können, bedarf es einiger vorheriger Schritte. Denn von jetzt auf gleich kann der Körper nicht in einen Entspannungsmodus umschalten. Körper und Geist müssen darauf eingestellt werden.

Damit der Übergang gelingt, können folgende Tipps hilfreich sein:

  • den letzten Arbeitsauftrag des Tages möglichst vollständig beenden (Altlasten bleiben im Kopf hängen)
  • Termine für den nächsten Tag planen und koordinieren
  • die Arbeitsergebnisse des Tages vor Augen halten (Was haben Sie geschafft, erreicht oder umgesetzt?)
  •  to-do-Liste für den nächsten Tag anfertigen
  • Schreibtisch oder Arbeitsplatz aufräumen (Aufräumen hilft, sich mental die Entspannungsphase einzustellen, Chaos ist kontraproduktiv)
  • ausloggen und abmelden, Werkzeuge sortieren, benutztes Geschirr wegbringen, Anrufbeantworter einschalten, Pflanzen gießen, ein letztes Mal das Büro lüften (leiten Sie mit banalen Handlungen das Ende des Arbeitstages ein)
  • der Mensch ist ein Gewohnheitstier, führen Sie Ihr eigenes Feierabendritual ein
  • verabschieden Sie sich bewusst (das hilft, sich von der Arbeit abzugrenzen und sich gleichzeitig auf den neuen Arbeitstag zu freuen, Sagen Sie zum Beispiel: „Auf Wiedersehen, schönen Feierabend!“)
  • vielleicht noch mit den Kollegen auf einen Absacker in einer Bar oder Kneipe treffen, den Arbeitstag zusammen Revue passieren lassen oder einfach noch kurz am Arbeitsplatz plaudern

Egal, was Sie vor Ihrem Feierabend tun, machen Sie es regelmäßig und führen Sie es in Ihren Arbeitsalltag ein. Bereits Kleinigkeiten, die auf das Ende des Arbeitstages vorbereiten, stimmen Ihren Körper auf die Erholungszeit ein und regulieren Ihren Hormonhaushalt, der unter anderem für die Produktion für Stresshormone zuständig ist.

Wer früher gehen will, sollte Folgendes tun:

  • früher kommen (Der frühe Vogel fängt den Wurm!)
  • seine Aufgaben während der Arbeitszeit zügig erledigen und sich möglichst nicht ablenken lassen
  • Unterstützung in Anspruch nehmen und damit Entlastung schaffen (zum Beispiel durch Abgabe von kleinen Aufgaben an Azubis oder Praktikanten)
  • sich auf sein Arbeitsgebiet konzentrieren und nicht zu viel für andere machen
  • seinen Terminkalender sinnvoll einteilen (Besprechungen möglichst am Vormittag oder auf den frühen Nachmittag legen, Außentermine am Nachmittag machen, damit Sie direkt im Anschluss heimfahren können) und gut organisiert sein
  • schwierige und komplexe Aufgaben oder Aufträge zuerst bearbeiten, wenn noch genug Energie vorhanden ist (verschafft Luft nach hinten)
  • sich nicht zu stark von Mails, SMS oder sonstigen Nachrichten ablenken lassen (von sozialen Medien während der Arbeitszeit pausieren)
  • in seinem Terminkalender Lücken für Notfälle oder kurzfristige Änderungen einplanen
  • Aufgaben auch abgeben können (Ohne Sie geht nichts? Doch, tut es! Befreien Sie sich von solchen abhängigen Gedanken.)

Muss ich nach Feierabend erreichbar sein?

Diese Frage brennt vielen Beschäftigten auf der Seele. Die virtuelle Präsenz macht im 21. Jahrhundert unser Leben aus. Smartphone und Internet machen es möglich, dass wir jederzeit und an jedem Ort abrufbar sind und zur Verfügung stehen. Machen Sie sich trotzdem bewusst: Das Arbeitsende beginnt beim Verlassen des Arbeitsplatzes, vor allem aber in Ihrem Kopf. Die räumliche Trennung ist wichtig, die mentale jedoch ist wesentlich für Ihre Regeneration.

Schalten Sie deshalb das Diensthandy konsequent aus, wenn Sie das Büro oder den Arbeitsplatz verlassen. Lassen Sie auch den Dienst-Laptop daheim zugeklappt. Wer nicht gerade Arzt auf Abruf ist oder einen Beruf ausübt, an dem Menschenleben dranhängen, der muss nach Dienstschluss nicht mehr erreichbar sein.

Im gehobenen Management oder auch in höheren Führungspositionen gehört es nahezu fast schon zum Job dazu, bis spät in die Nacht hinein erreichbar zu sein und auf Anfragen oder Probleme sofort zu reagieren.

Die Gefahr permanenter Erreichbarkeit: Hat der klassische Feierabend ausgedient?

In Zeiten von Homeoffice und Telearbeit wird es schwieriger, gezielt den Arbeitstag zu beenden. Er läuft nicht mehr so linear wie einst ab. Arbeitszeiten werden flexibler aufgeteilt, um Familie und Beruf, aber auch Freizeit und Beruf, besser in Einklang bringen zu können. Der Feierabend als Bestandteil des Arbeitstages am Abend wird zersplittert in einzelne Zeiteinheiten am Tag. Viele Beschäftigte arbeiten dann noch am Abend, bevor sie ins Bett gehen. Der Tag soll sich nicht mehr acht oder mehr Stunden am Stück nur um die Arbeit drehen.

Das kann schön sein, wenn es funktioniert. Aber die technischen Möglichkeiten und die damit einhergehende dauerhafte Erreichbarkeit lässt Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit gefährlich verschwimmen. Mails werden noch schnell vorm Schlafengehen gecheckt und beantwortet, Berichte noch eben auf der Couch überflogen. Es gibt keine räumliche Distanz mehr zur Arbeitswelt. Wenn der Arbeitsplatz das eigene Heim ist, kann kein Büro mehr abgeschlossen und verlassen werden. Ein sehr wichtiger Schritt, um die Erholungszeit einzuläuten, entfällt damit. Das Ergebnis ist: Der Kopf kann nicht mehr leerlaufen, das Gehirn kann nicht mehr abschalten und befindet sich rund um die Uhr im Arbeitsmodus. Eine gesunde Work-Life-Balance ist dann nicht mehr gegeben. Die gesundheitlichen Folgen können fatal sein.

Wie Sie Ihren Zeit nach Dienstende optimal nutzen

Der Feierabend soll ausgiebig genutzt werden, um zu regenerieren. Er dient nicht nur der körperlichen Erholung, sondern auch zum Erhalt einer gesunden Psyche, mentaler Stärke und der Balance zwischen freier Zeit und Arbeit. 

Diese Aktivtäten bieten sich besonders gut an:

  • mit Freunden treffen (Spaß haben, gemeinsam Zeit verbringen, schöne Momente teilen)
  • Sport machen (alles, was Ihrer Physis und Psyche gut tut: Joggen, Yoga, Krafttraining, Fahrrad fahren, Crosstraining, Schwimmen)
  • Wellness (Verwöhnen Sie sich selbst mit Sauna, Sonnenbad, Whirlpool, Massage)
  • Familienzeit ausgiebig nutzen (mit Kindern Hausaufgaben machen, essen, spielen)
  • nichts tun (Couching, ein Buch lesen, Musik hören, einen Film schauen)
  • Garten- oder Hausarbeit (Ausgleich durch Ablenkung)

Lassen Sie sich am Feierabend nicht nur willkürlich vom Fernsehprogramm berieseln. So ist die Gefahr zu groß, dass Sie nicht wirklich abschalten werden. Vergessen Sie nicht, aktiv zu sein. Auch wenn der Arbeitstag anstrengend war, der körperliche Ausgleich ist wichtig und sorgt für ein gesundes Gleichgewicht.

Nicht jeden Tag muss nach der Arbeit irgendetwas Aufregendes oder Besonderes passieren. Ganz im Gegenteil. Der Feierabend ist immer noch die Zeit der Erholung. Er sollte möglichst stressfrei gestaltet sein. Lassen Sie ruhig auch mal alle Viere grade sein und tun Sie einfach nichts.

Mit den Kollegen in den Feierabend starten

Wer mit Kollegen gemeinsam den Dienst beendet, hat die Möglichkeit, sich in einem ungezwungenen Rahmen über den Arbeitstag auszutauschen. Das kann helfen, angestauten Stress abzubauen. Keiner versteht Ihre Situation wahrscheinlich besser als die Menschen, mit denen Sie zusammenarbeiten. Aber Vorsicht! Machen Sie nicht den ganzen Abend die Arbeit selbst zum Thema. Damit riskieren Sie, mit einem vollen Kopf ins Bett zu gehen und verderben sich einen erholsamen Schlaf.

Unsere Tipps für einen gelungenen Büroschluss

Halten Sie sich stets vor Augen, dass Arbeit nur ein Teil ihres Lebens ist und nicht ihr Leben einnehmen sollte. Setzen Sie Prioritäten. Kinder und Partner und auch Freunde haben ein Recht darauf, Zeit mit Ihnen zu verbringen. Und vergessen Sie nicht zuletzt sich selbst. Wenn Sie deutlich mehr Zeit in der Arbeit als zu Hause verbringen, dann überprüfen Sie Ihre Einstellung zur Arbeit und ändern Sie etwas.

Weitere nützliche Hinweise:

  • auch kurze Auszeiten sind wertvoll
  • Gedanken an Arbeit, Kollegen, Vorgesetzte, Kunden, Geschäftspartner oder Patienten konsequent stoppen
  • Rituale helfen (Finden Sie Ihr eigenes Feierabendritual.)
  • Zeit mit dem Partner oder mit Freunden genießen (möglichst über andere Dinge als die Arbeit sprechen)
  • Tagebuch führen
  • Hobbys nicht vergessen (wenigstens einmal die Woche)
  • kleinere Atemübungen
  • Powernapping praktizieren
  • alle Medien für kurze Zeit komplett ausschalten
  • Feierabendzeit bewusst planen (Zeit für sich selbst)
  • Abendessen genießen
  • Termine und Ordnung helfen
  • Aufgaben oder Arbeitsaufträge möglichst immer vor Feierabend abschließen

Lassen Sie sich nicht von komischen Blicken oder zweideutigen Sprüchen verunsichern. Wenn Sie Ihre Arbeit gut strukturieren und alle Aufgaben geschafft haben, gibt es keinen Grund, länger am Arbeitsplatz zu bleiben. Verabschieden Sie sich freundlich und begeben Sie sich ins Hier und Jetzt.

Gewusst?

Die Technik ermöglicht uns heute einen völlig uneingeschränkten Zugang zur Welt. Aber: Das LED-Licht von Smartphone, Laptop und anderen Geräten hemmt das Hormon Melatonin, das wir für einen erholsamen Schlaf brauchen. Die Zeit vorm Schlafengehen sollte deshalb frei sein von der Nutzung solcherlei Gerätschaften.

Für Sie gibt es keinen Feierabend?

Stoppen Sie lieber heute als morgen diese Arbeitseinstellung. Kein Mensch kann 24/7 nur arbeiten und funktionieren. Ruhephasen und Auszeiten sind wichtig, sonst entsteht eine erhebliche Belastung, die zu Folgendem führen kann:

  • Unzufriedenheit
  • schlechte Laune
  • Gereiztheit
  • negative Stimmung zu Hause
  • Streit mit Partner oder Freunden
  • Einschlafschwierigkeiten oder schlechter Schlaf
  • Müdigkeit, Erschöpfung, Unausgeglichenheit
  • andere Krankheiten wie Depressionen
  • Konzentrationsschwächen
  • langfristig sinkende Arbeitsleistung
  • Konflikte mit anderen Kollegen
  • Demotivation

Fazit: Wertvolle Zeit zur Regeneration

Feierabend sollte niemals nur eine Wahl-Möglichkeit sein, sondern tatsächlich das Ende des Arbeitstages markieren. Deswegen: Lernen Sie loszulassen und runterzukommen! Die Erholungszeit nach der Arbeit gehört genauso dazu wie das morgendliche Ritual des Arbeitsbeginns, die Mittagspause, Jour Fixe, Arbeitsaufgaben oder Leistungshochphasen.

Auch wenn der Job oft stressig ist, die Arbeit sich häuft und es eigentlich genug zu tun gäbe, gönnen Sie sich ab und zu einen pünktlichen Feierabend. Suchen Sie sich einen festen Tag in der Woche aus, an dem Sie pünktlich in den Feierabend gehen. Praktizieren Sie dies diszipliniert und lernen Sie gleichzeitig „Nein“ zu sagen, wenn Kollegen oder Vorgesetzte sie um einen letzten Gefallen bitten. Sie haben ein Recht auf Erholung und Ruhezeiten.

Der ideale Dienstschluss: Ankommen, Ausklingen, Abschalten

Wer ständig Überstunden schiebt und von der Arbeit direkt ins Bett fällt, der riskiert langfristig seine Gesundheit. Studien belegen, dass Schlaganfälle, Herzerkrankungen und Depressionen häufig die Folgen sind. Genießen Sie die freien Stunden. Diese besondere Zeit des Tages ist ausschließlich für Sie und niemand gibt Sie Ihnen wieder.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.