Innere Kündigung: Ursachen & Anzeichen

Innere Kündigung: Ursachen & Anzeichen

Unzufriedenheit, Langeweile oder Mobbing am Arbeitsplatz führen dazu, dass Sie innerlich gekündigt haben? Was die innere Kündigung für Sie als Arbeitnehmer bedeutet, welche Anzeichen es dafür gibt und wie Sie das verhindern, lesen Sie im nachfolgenden Teil.

Was versteht man unter einer inneren Kündigung?

Frust am Arbeitsplatz ist für sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber keine gute Option: Denn das bedeutet meist

  • Unzufriedenheit,
  • Demotivation,
  • leistungsschwache Resultate
  • und Konflikte. 

Oftmals machen sich diese Anzeichen bemerkbar, indem Diskussionen und Konfliktgespräche geführt werden. Das ist allerdings nicht immer der Fall: Bei einer inneren Kündigung hat sich der Mitarbeiter bereits innerlich distanziert und übt seine Tätigkeit nur noch halbherzig aus.

Die Definition der inneren Kündigung ist also, dass eine stille und im Inneren stattfindende Resignation herrscht. Der Mitarbeiter ist nicht mehr mit vollem Einsatz und voller Leidenschaft dabei, sondern erledigt seine Aufgaben ohne Freude am Beruf.

Oftmals wird die demotivierte und perspektivlos wirkende Haltung des Arbeitnehmers vom Vorgesetzten und von den Kollegen bemerkt: Es fehlt jedoch die nötige Konsequenz, um dieser Situation zu entkommen. Der einzige Ausweg, den der Mitarbeiter für sich sieht, ist eine Kündigung. Innerlich hat er bereits gekündigt, ohne einen weiteren Schritt zu unternehmen. Aufgrund seiner negativen und passiven Haltung macht der Mitarbeiter sich unbeliebt im Kollegium: Dieser Teufelskreis zieht sich immer weiter, bis ernsthafte Konsequenzen folgen.

Was sind die Anzeichen einer inneren Kündigung?

 Ein Mitarbeiter, der nicht mehr gerne zur Arbeit kommt, kämpft mit seinen negativen Emotionen. Betroffene machen alles mit sich selber aus und führen keine Gespräche darüber. Auf der Arbeit sind sie eher still und versuchen, nicht negativ aufzufallen. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich.

Zu den ersten Anzeichen, die Sie bei sich oder bei anderen bemerken, sind zum Beispiel

  • ein Leistungsabfall,
  • geringe Bereitschaft zu kommunizieren,
  • Lustlosigkeit,
  • keine Kreativität,
  • kein selbstständiges Handeln mehr,
  • ausbleibende Beteiligung
  • oder das Stagnieren der Zukunftspläne (in diesem Unternehmen).

Die Symptome sind ebenso verschieden und können unter anderem

  • Appetitlosigkeit,
  • keine Zukunftsperspektive,
  • Kopf-, Nacken- oder Rückenschmerzen,
  • Magengeschwüre
  • oder Schlaflosigkeit

auslösen.

Die innere Unlust und der Beschluss zu kündigen passieren nicht über Nacht. Dieser Prozess schreitet über einen langen Zeitraum voran.

Was sind die erkennbaren Folgen einer inneren Kündigung für den Job?

 Hat der Mitarbeiter bereits innerlich aufgegeben, hat das einige Folgen. Das gilt sowohl für beide Seiten, denn das Unternehmen profitiert nur von einem zufriedenen und leistungsfähigen Angestellten.

Für den Betrieb heißt es, dass Aufgaben liegen bleiben oder nicht richtig bearbeitet werden. Das kostet das Unternehmen einiges an Geld und Zeit, um die schlechte Arbeitsmoral auszubügeln. Passiert dies häufiger, sind rechtliche Schritte nötig, um den Mitarbeiter wieder auf die Spur zu bringen - oder um ihm die Entscheidung der inneren Kündigung abzunehmen.

Der Arbeitnehmer hingegen verliert die Lust an seinem Job, was sich auch auf spätere Arbeitsplätze auswirken kann. Zudem handelt er sich keine Beliebtheitspunkte bei den Kollegen oder bei den Vorgesetzten ein: Das kann sich in der Branche herumsprechen und führt dazu, dass die Person keine neue Anstellung findet. Auch das Arbeitszeugnis fällt in diesem Fall schlecht aus, was für eine Bewerbung fatal ist.

Ursachen und Gründe für eine innere Kündigung

Die Ursachen für die Kündigung, die die Person im Inneren für sich entschieden hat, sind ganz unterschiedlich. Häufig ist das Arbeitsklima schuld, dem der Angestellte nicht entkommen kann. Auch private Gründe sind der Auslöser dafür, dass er für sich im Kopf bereits gekündigt hat.

Fehlendes Feedback

Das Feedbackgespräch ist ein wichtiges Instrument, um eine Kritik auszuüben oder um einen bevorstehenden Konflikt zu lösen. Aus diesem Grund sollte mehrmals im Monat ein solches Gespräch stattfinden, damit der Mitarbeiter die volle Anerkennung erhält und aus seinen Fehlern lernt.

Erhält der Mitarbeiter kein regelmäßiges Feedback, verlagert sich die Arbeitsmoral ins Negative.

Weitere Gründe sind ungerechte Behandlungen oder verletzende Kritik von der Führungskraft. Der Mitarbeiter muss nach einer Lösung suchen, um dem zu entgehen. Fühlt er sich ungerecht behandelt oder stehen alle anderen auf der Seite des Vorgesetzten, baut sich eine innere Unzufriedenheit auf.

Mobbing

In einigen Fällen ist auch Diskriminierung der Auslöser dafür, dass Sie bereits innerlich gekündigt haben. Mobbing am Arbeitsplatz ist eine der vielen Ursachen, die zum Leistungsabfall führen. Das Mobbing kann von verschiedenen Seiten stammen, sodass der Mitarbeiter keine Freude mehr an der Arbeit hat.

Druck am Arbeitsplatz

Schneller, höher, weiter: Dieser Leitspruch ist in vielen Unternehmen gang und gäbe, um erfolgreich zu sein. Die Erwartungen an jeden Einzelnen sind sehr hoch, sodass in kurzer Zeit eine Überlastung stattfindet. Zu viele Aufgaben in zu kurzer Zeit werden einer einzigen Person aufgedrückt, die unter dem Druck am Arbeitsplatz zerbricht.

Das gilt auch, wenn Mitarbeitern gekündigt werden: Die verbliebenen Mitarbeiter müssen die Kollegen ersetzen und die zusätzliche Arbeit bei gleichbleibender Vergütung und mehr Arbeitszeiten bewältigen.

Boreout

Das Boreout-Syndrom kann mitunter ein Grund für innere Kündigung sein. Darunter ist das Phänomen zu verstehen, wenn sich Arbeitnehmer gelangweilt fühlen. Eine Unterforderung am Arbeitsplatz hat die Folge, dass sich der Arbeitnehmer nicht mehr nützlich vorkommt. Wenn die Mitarbeiter keine Wertschätzung erhalten, fehlt ihnen die Motivation. Das ist ein schleichender Prozess, der sich erst nach einigen Wochen, Monaten oder Jahren abzeichnet. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Führungskraft eine gerechte Arbeitsverteilung anstrebt.

Persönliche Gründe

Nicht immer ist das kollegiale Umfeld oder eine Unterforderung am Arbeitsplatz schuld an der inneren Unzufriedenheit. In manchen Fällen hat der Arbeitnehmer persönliche Gründe oder Probleme, die es zu bewältigen gilt. Die Umstände am Arbeitsplatz sind in dieser Situation nur das i-Tüpfelchen: Dann ist es ratsam, sich professionelle Hilfe zu suchen!

Lösungen: Was tun bei einer inneren Kündigung?

Durch die Selbstreflexion machen Sie sich bewusst, warum Sie keinen Spaß mehr auf der Arbeit haben.

  • Lob,
  • Kritik
  • und ein monatliches Feedback

helfen dem Arbeitnehmer dabei, sich wieder voll und ganz auf seine Aufgaben zu konzentrieren. Aufgrund des Arbeitsvertrages stehen Ihnen bestimmte Tätigkeiten zu, die Sie einfordern können. Machen Sie Ihren Standpunkt klar und fordern Sie dazu auf, mehr Verantwortung und Aufgaben zu übernehmen.

So zeigen Sie der Führungskraft und den Kollegen, dass Sie sich wieder im Arbeitsprozess einbringen.

So beugen Sie einer inneren Kündigung vor

Damit Sie einer inneren Kündigung zuvorkommen, gibt es einige Möglichkeiten, die Sie im Vorfeld erledigen können.

Machen Sie sich Ihr Problem bewusst und wagen Sie mit einem Plan eine Veränderung:

Was müssen Sie tun, damit Sie wieder glücklich auf der Arbeit sind?

Liegt das Problem bei Ihnen, in der Belegschaft und den Führungskräften oder an den Aufgaben?

Setzen Sie sich neue Ziele, die Sie im Unternehmen erreichen möchten. Dafür ist eine zeitliche Frist gut, um zu schauen, wie es sich im Laufe der Zeit entwickelt. Andernfalls ist der Entschluss zu kündigen oder sogar die Branche zu wechseln keine schlechte Idee.

Tun Sie im privaten Bereich etwas Gutes für sich und unternehmen Sie einen Kurzurlaub, gönnen Sie sich eine Massage oder sparen Sie auf einen lang gehegten Traum hin.

Fazit: Nehmen Sie die innere Kündigung nicht auf die leichte Schulter

Das Arbeitsklima ist für die Vorgesetzte wichtig, um eine gute Atmosphäre zu schaffen. Nur wenn sich die Mitarbeiter wohlfühlen, kann die geforderte Leistung erbracht werden.

  • Mobbing,
  • Unzufriedenheit
  • und Demotivation

sind einige der Gründe, warum eine Person im Inneren bereits gekündigt hat. Betroffene bemerken oft nicht, welcher offensichtlichen und bewussten Arbeitsverweigerung sie sich aussetzen. Andere hingegen nehmen die Arbeit nur noch als unabdingbar wahr und leisten ihren Dienst nach Vorschrift ab.

Die Folgen sind für Arbeitgeber und -nehmer fatal, denn die Leistungen werden nicht erbracht. Das kostet das Unternehmen einiges an Geld, sodass Vorgesetzte alles daran setzen, damit Betroffene wieder Freude am Beruf haben.

Nehmen Sie die innere Unzufriedenheit nicht einfach auf die leichte Schulter: Das gilt auch für Kollegen, bei denen Sie den schlechten Zustand bemerken. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber darüber und suchen Sie nach einer gemeinsamen Lösung!

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.