Schlüsselqualifikationen: Fachwissen kompetent einsetzen

Schlüsselqualifikationen: Fachwissen kompetent einsetzen

Eine Schlüsselqualifikation ist eine überfachliche Fähigkeit. Sie befähigt uns über unsere rein fachlichen Qualifikationen hinaus zum Handeln. Erfahren Sie in diesem Beitrag, warum Personalchefs diese sogenannten Soft Skills so stark beachten.

Schlüsselqualifikationen sind nicht direktes Fachwissen. Sie erlauben uns vielmehr, mit dem erworbenen fachlichen Wissen kompetent umzugehen und uns auf Fach- und Führungspositionen zu behaupten. Im Grunde braucht sogar jeder Arbeitnehmer auf jedweder Position bestimmte Schlüsselqualifikationen wie etwa die Teamfähigkeit, damit er zur reibungsarmen Zusammenarbeit mit seinen Kollegen befähigt ist. Diese Qualifikationen setzen sich aus einem breit angelegten Spektrum von übergreifenden kognitiven und affektiven (emotionalen) Fähigkeiten zusammen. Sie führen zu Kompetenzen, welche die betreffende Person in verschiedenen Situationen innovatorisch und flexibel einsetzen kann.

Kompetenzbereiche

Um das besser zu verstehen, wollen wir zunächst die Kategorisierung der Schlüsselqualifikationen in fünf Kompetenzbereiche erwähnen. Es handelt sich um diese Bereiche:

  • Selbstkompetenz
  • Sozialkompetenz
  • Handlungskompetenz
  • Methodenkompetenz
  • Medienkompetenz

Die Medienkompetenz wurde erst in jüngerer Zeit in diese Liste mit aufgenommen, weil sie durch die vielen modernen Medien immer wichtiger wird. Heute kann es bedeutsam sein, ob ein Mitarbeiter mit seinem Smartphone fähig ist, auf die firmeninterne Cloud zuzugreifen. Das spielte noch vor zehn Jahren keine Rolle. Die Forderung, diesen Kompetenzbereich in die Kategorienliste der Schlüsselqualifikationen mit aufzunehmen, kommt in Deutschland von der BLK (Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung-und Forschungsförderung) sowie von der Kultusministerkonferenz. Mit Blick auf diese Liste wird nun verständlich, was es heißt, dass ein Mitarbeiter seine Schlüsselqualifikationen flexibel, situationsgerecht und innovatorisch einsetzen kann: Er ist beispielsweise gleichzeitig medien- und sozialkompetent, was ihn in die Lage versetzt, sich über sein Smartphone bestens mit seinen Kollegen zu vernetzen und dabei die Netiquette zu wahren, also auch online taktvoll zu kommunizieren. Solche Mitarbeiter können moderne Arbeitsabläufe sehr effizient organisieren.

Wie entstand der Begriff der “Soft Skills”?

Dieser Begrifflichkeit prägten verschiedene Forscher ab den 1970er Jahren gleichzeitig, in Deutschland schreibt man die Begriffsfindung unter anderem dem Arbeitsforscher Dieter Mertens zu. Dieser verstand darunter diejenigen Fertigkeiten, welche den "Schlüssel" zum Verständnis des sich schnell entwickelnden Fachwissens liefern. Dieses Phänomen wurde damals erstmals beobachtet. Die althergebrachte Berufsausbildung wurde immer schneller durch neue fachliche Entwicklungen überrollt.

Arbeitnehmer mussten also unter anderem eine Methodenkompetenz entwickeln, mit der sie sich neues Wissen relativ schnell aneignen konnten. Möglicherweise war sogar die Methodenkompetenz die erste so benannte Schlüsselqualifikation. Eine Kompetenz ist eine individuelle Eigenschaft. Sie bedeutet, dass jemand fähig ist (unter anderem aufgrund seiner angeborenen Intelligenz), Fachkompetenzen zu adaptieren und zu transferieren. In den 1990er Jahren bezeichnete man als Schlüsselqualifikationen diejenigen Einstellungen, Fähigkeiten und Strategien, mit denen sich neue Kompetenzen erwerben und Probleme lösen lassen - und das in möglichst vielen Bereichen.

Schlüsselqualifikationen ohne Fachwissen?

Dieser Eindruck entsteht manchmal, wenn Manager zwischen ganz verschiedenen Fachbereichen und Politiker zwischen verschiedenen Ressorts wechseln. Für den normalen Angestellten genügen die Schlüsselqualifikationen allein nicht. Er benötigt fachliche Kenntnisse. Als Werkstattmeister muss er die Technik genau kennen. Dass er ein sozialer, umgänglicher und kommunikativer Mensch ist, genügt in den meisten Fällen für das Tagesgeschäft nicht. Doch die Schlüsselkompetenzen helfen ihm sehr dabei.

Welche Schlüsselqualifikationen sind besonders wichtig?

Es hängt sicher vom Beruf ab, welche der genannten Kompetenzen als besonders wichtig gelten müssen. In technischen Berufen sind es auf jeden Fall Methoden-, Handlungs- und Medienkompetenzen, die am meisten gefragt sind, während in sozialen Berufen die Sozialkompetenz stark im Vordergrund steht. Diese unterteilt sich wiederum (wie auch die anderen Schlüsselqualifikationen) in Teilbereiche. Bei der Sozialkompetenz wären das:

  • Kommunikationsfähigkeit
  • Einfühlungsvermögen (Empathie)
  • Kooperationsfähigkeit
  • emotionale Intelligenz
  • Konfliktfähigkeit

Bei der Methodenkompetenz, die in technischen Berufen so bedeutsam ist und immer noch bedeutsamer wird, werden folgende Teilbereiche unterschieden:

  • Lernbereitschaft
  • Analysefähigkeit
  • Kreativität
  • vernetztes und abstraktes Denken
  • Herstellen von Zusammenhängen

Jeder der oben genannten Bereiche der Schlüsselqualifikationen lässt sich auf diese Weise untergliedern. Diese Untergliederung ist wissenschaftlicher Natur. Personaler können durchaus aus jedem der Teilbereiche einige sehr wesentliche Eigenschaften auswählen und in einen Bewerberfragebogen aufnehmen, die für den ausgeschriebenen Job besonders wichtig sind.

So könnten sie die Leistungsbereitschaft, die Kommunikationsfähigkeit und die Analysefähigkeit eines Kandidaten besonders beachten, während dessen Empathie möglicherweise nicht besonders gefragt ist, weil er technische Probleme lösen soll, sich aber nicht fortlaufend in die Befindlichkeiten seiner Kollegen einfühlen muss.

Zu beachten ist, dass es sehr viele Schlüsselqualifikationen gibt und die wissenschaftliche Zuordnung in der allgemeinen Praxis eher wenig relevant ist. Einige allgemeine Eigenschaften werden praktisch von jedem Mitarbeiter erwartet. Das sin die Soft Skills Engagement, Flexibilität, Motivation, Zuverlässigkeit, Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit. Für Bewerber ist es nützlich, solche Schlüsselqualifikationen in ihrem Anschreiben und - an geeigneter Stelle - auch in ihrem Lebenslauf zu erwähnen. So ist es nützlich, Nebenjobs als Student zu erwähnen und dabei auf die persönliche Belastbarkeit zu verweisen.

Foto: © NOBU  adobe stock

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.